Biertest: Expeditionen ins Tierreich – Der Bock als Begleiter für triste Wintertage

Auch wenn Bockbiere heutzutage theoretisch zu jeder Jahreszeit gebraut werden können, assoziiere ich sie immer mit herbstlichem Schmuddelwetter und dem in hiesigen Breiten ja meist ebenso feucht und trist daherkommenden Winter. Somit war für mich so kurz vor Weihnachten die richtige Zeit, einmal drei ganz unterschiedliche Vertreter der Zunft nebeneinander zu verkosten.

Bockbier, Riedenburger, Wacken, Lammbock, Veto, Julbock, Dolden Bock

Bock, Doppelbock,Weizenbock – Ein paar Worte zum Stil

Als Bockbiere bezeichnet man grundsätzlich Biere mit einer höheren Stammwürze (über 16 Grad Plato), was meist ja auch einen etwas höheren Alkoholgehalt mit sich bringt. Der üppige Trunk eignete sich somit als flüssiger Ersatz für feste Nahrung sehr gut für die Fastenzeit, nicht umsonst ist die Bockbierzeit grob von November bis Mai zu datieren (man denke an den Maibock).

Typisch sind stark malzbetonte Biere, die schon leicht ins süßliche gehen und geschmacklich an Dörrobst, Karamell und Brot erinnern. Stilistisch ist die Vielfalt aber recht groß, es gibt helle und dunkle Bockbiere, noch stärker eingebraute Doppelböcke, unter- und obergärige Varianten.

Wacken Brauerei – Ullr Julbock

Thematisch passt der Julbock natürlich perfekt ins Konzept der Wacken Brauerei. Alle Biere haben Bezüge zur nordischen Götter- und Heldenwelt, somit ist das heidnische Julfest die perfekte Gelegenheit, mit einem Bockbier Ullr zu feiern, den nordischen Gott des Winters und der Jagd.

Das Sortiment der Brauerei aus dem hohen Norden hat mir bislang in der Breite durchaus gut gefallen. Keine Ausreißer nach unten oder ganz oben, aber ein gleichbleibend solides Niveau mit durchweg gut trinkbaren Bieren.

Da macht auch der Julbock keine Ausnahme. Ullr präsentiert sich weich, rund und wunderbar süffig. Vorne betont malzig, hinten kommt dann ein klein wenig Hopfenfrische durch. Eher ein leichter Vertreter seiner Zunft, der für meinen Geschmack etwas mehr Wumms vertragen könnte.

Tasting mit Bieren der Wacken Brauerei im Dezember 2016

Riedenburger Brauhaus – Dolden Bock

Die Ökobrauerei aus Bayern hat mit dem Doldensud für mich ein perfektes Alltags-IPA erschaffen, und auch das Dolden Dark, ein Porter, hat mich durchaus überzeugt. Nun war ich gespannt, wie sich der Bock präsentieren würde. Und schon beim Öffnen der Flasche und der ersten Nase war klar, wohin der Hase bzw. Bock läuft. Fruchtaromen strömen aus der Flasche und man glaubt, gerade den Doldensud geöffnet zu haben.

Ich mag Weizenböcke grundsätzlich sehr gern, außer wenn sie zu sehr ins Seifige abrutschen und die Balance verlieren. Das ist hier definitiv nicht der Fall. Die Hefe sorgt für Cremigkeit und Körper, am Gaumen dominieren weiterhin die sehr frischen Fruchtaromen, vor allem Orange und natürlich Banane, dazu schmeckt man blumige Noten heraus. Ein schönes Bier, das so gar nicht winterlich daherkommt, und die 7,9 % Alkohol sind wirklich sehr gut eingebunden.

Hopferei Hertrich – Veto Lammbock

Mit ihren modernen Bieren will die Hopferei Hertrich aus Franken ein VETO gegen die “Massenbierhaltung” einlegen, und ich entwickele mich mit jedem Bier immer mehr zu einem echten Fanboy. Angefangen habe ich mit dem Schokobär, an den ich mich gut erinnere, weil es eins meiner Geburtstagsbiere in diesem Jahr in Nürnberg war. Somit habe ich meinen Einfluss spielen lassen und meinen Haus- und Hoflieferanten überredet, auch andere Biere ins Programm aufzunehmen, darunter den Hopfentiger (IPA), den Weissen Hai (ein Weizendoppelbock) und eben den Lammbock, der mich schon allein wegen des Bezugs zu einem meiner Lieblingsfilme besonders interessierte.

Im Glas habe ich einen dunklen, cremigen Bock der malzigen Sorte, was auch gleich in die Nase strömt. Im Antrunk finden sich bei angenehm weichen Mundgefühl erst einmal Karamell und dezente Röstnoten, die verwendeten Rauchmalze sind ziemlich versteckt und weit entfernt vom Schinkenaroma eines klassischen Rauchbiers.

Geschmacklich offenbaren sich rote Früchte, die so ein wenig an die Früchte erinnern, die man als Kind heimlich aus dem Rumtopf genascht hat. Mit 7,3 % Alkohol ist der Lammbock zwar in Sachen Alkohol schwächer als der Dolden Bock, aber hier merkt man den schon recht deutlich. Hinten kommt dann noch eine leicht spritzige Hopfennote dazu, was dem Bock eine angenehme Frische gibt. Für mich ist das heute der komplexeste Vertreter seiner Art und es macht Spaß, den verschiedenen Komponenten auf die Spur zu kommen.

Fazit

Mir machen Bockbiere viel Spaß, ich mag die Komplexität, die sich in opulenten Körpern im besten Fall verbergen kann. So unterschiedlich wie diese drei Vertreter sind, so kreativ kann man mit diesem Stil umgehen. Mir persönlich hat der Lammbock am Besten gefallen, der wuchtig und komplex daherkam, aber durch den Hopfen am Ende noch die nötige Frische aufweisen konnte.

Alle drei Biere kann man in Trier bei unserem Partner Edeka Haupenthal erwerben (zum Sortiment).

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