Weinstadt Trier: Das 28. Weinforum Mosel

Es ist seit vielen Jahren eine schöne Tradition, im Januar das große Weinforum zu besuchen, die große Präsentation prämierter Moselweine in den Trierer Viehmarktthermen. Normalerweise besuchen wir immer die Morgensession am Samstag, die sich durch weniger Betrieb, ein durchweg interessiertes Publikum und weniger fröhliche Besuchergruppen auszeichnet. Doch da ich zu dem Zeitpunkt gerade meine Prüfung zum Bierbotschafter abschloss, blieb diesmal nur der Sonntag, der aber auch viel Spaß machte.

Weinforum Mosel 2020

Vom Jahrgang 2018 hatte man ja viel Gutes gehört, das meiste allerdings, bevor die ersten Weine verkostet werden konnten. Klimatisch hatten die Winzer an der Mosel tatsächlich ein vielversprechendes Jahr mit hohem Ertrag und Mostgewichten, die bei durchschnittlich weit über 80 Grad Oechsle häufig im Bereich der Spätlesen lagen. Also ganz klar etwas für mich.

Die 2.000 Besucher an drei Tagen hatten die einmalige Gelegenheit, mehr als 220 prämierte Weine von 60 Produzenten zu verkosten, die meisten aus genanntem Jahrgang 2018. Ich konzentrierte mich auf die feinherben, fruchtsüßen und edelsüßen Varianten und verkostete immerhin knapp die Hälfte der vorgestellten Spezialitäten, um mir einen repräsentativen Überblick zu verschaffen. Der Jahrgang präsentierte sich dabei so ausgewogen und qualitativ hochwertig wie erhofft, was mir manchmal fehlte, waren die Ausschläge ganz nach oben, die Weine, die mich richtig packen konnten. Doch einige Gewinner gab es für mich auf jeden Fall.

Weingut Günter Gindorf, Schweich

Weinforum Mosel 2020Einer der ersten Weine, die ich verkosten durfte, war die 2017er SchrägLAGE Riesling Spätlese, spontan vergoren und sechs Monate im Holzfass ausgebaut. Da ich mich schon lange intensiv mit spontan vergorenen Bieren beschäftige, hat mich dieser Produktionsprozess natürlich besonders interessiert, den der Winzer selbst als “kontrolliertes Nichtstun” bezeichnet. Die spezielle und intensive Aromatik ist hier sehr schön repräsentiert, mit präsenter Säure und einem schön dichten und komplexen Körper.

Somit probierte ich mich weiter durch und auch die beiden ebenfalls spontan vergorenen Spätlesen vom Schweicher Annaberg wussten zu gefallen, beide mit voller Frucht und dem prägnanten Süße-Säure-Spiel, das ich so sehr schätze.

weingut-gindorf.com

Weingut Lotz, Erden

Steillagen-Rieslinge mit präsenter Säure und satter Frucht, beim Weingut Lotz überzeugte mich die durchgehend hohe Qualität in der Breite. Alle von mir verkosteten Beispiele stammten aus der bekannten Lage Erdener Treppchen, von den Spätlese trocken und feinherb über die fruchtsüße Spätlese bis zur Auslese. Vor allem Letztere hatte bei aller präsenter Säure eine angenehme Spritzigkeit.

weingut-lotz.de

Thielmann & Schinnen, Ernst

Den ein oder anderen kleinen Abstecher weg vom Riesling konnte ich mir dann doch nicht verkneifen und hier blieb mir vor allem das Weingut Thielmann & Schinnen in Erinnerung. Sowohl der Weißburgunder als auch der Spätburgunder Rosé brachten feine Fruchtaromen und Spritzigkeit ins Glas. Beides angenehme Sommerweine, wohingegen die 2018er Riesling Auslese edelsüß vom Valwiger Herrenberg sehr intensive Fruchtaromen mit viel Aprikose und Maracuja und Zitrusspritz bietet und das in nahezu perfekter Harmonie.

weingut-thielmann.de

Weinforum Mosel 2020

Schnäppchen: Weingut Arnold Fuhrmann und Sohn, Ellenz-Poltersdorf

Der seit 1598 aktive Traditionsbetrieb stellte neben drei Dornfeldern und einem Grauburgunder einen süßen Steillagenriesling vor, der mit satter Frucht zu gefallen wusste. Richtig begeistert war ich allerdings vom Bacchus & Optima, der sehr harmonisch eine tolle (Stein-) Frucht und feine Säure vereinte. Schaut man in den Katalog, so findet man ihn mit 4,90 € gelistet (im Webshop 5,90 €), ein neuerlicher Beweis, dass die Weine der Region oftmals viel zu günstig auf dem Markt sind.

weingut-fuhrmann.de

Sekt: St. Laurentius Sekt GmbH, Leiwen

Mit Sekt tue ich mich ja oft etwas schwer, aber der Spätburgunder Rosé BRUT Cuvée Nadine hat mir gleich am Anfang des Tages richtig gut gefallen. Der intensiven Nase folgt eine perfekt eingebundene Säure, eine weiche Textur und volle Frucht. Ein richtiger Genusssekt.

st-laurentius-sekt.de

Das in den letzten Jahren leicht veränderte Konzept, vermehrt die Winzer und Betriebe in den Mittelpunkt zu rücken, hat sich erneut bewährt, auch wenn es bei der Verkostung etwas mehr Disziplin erfordert, als bei einer Verkostung streng nach Weinstilen und Rebsorten. Um sich an einem Nachmittag einen vollständigen Überblick über einen Jahrgang in der Region zu verschaffen, bietet das Weinforum immer noch eine perfekte Gelegenheit.

Kommentar hinterlassen zu "Weinstadt Trier: Das 28. Weinforum Mosel"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*