Weingut Tesch – “Weißes Rauschen”: Alte Punks, neuer Wein

Wer mich kennt weiß, dass ich eigentlich erst über die Weinkultur zum Bier gekommen bin. In Trier leben wir in einer Weinregion von Weltrang, und ich habe es sehr viele Jahre vermieden, das immer gleiche Bier zu trinken, wenn ich stattdessen einen fantastischen Wein haben konnte. Grundsätzlich verfahre ich immer noch so, auch wenn sich die Biervielfalt in den letzten Jahren sogar in Trier deutlich zum Guten gewendet hat. Und wenn man mit dem Wein noch etwas Gutes tun kann, bin ich natürlich gleich dabei. So bin ich über Umwege an einen Riesling namens “Weißes Rauschen” gekommen, an dessen Kapsel sich ein sehr bekannter Adler befindet.

Weingut Tesch - Weisses Rauschen RieslingDen Wein habe ich nicht gesucht, er hat mich gewissermaßen gefunden. Er war Teil eines von der Berliner Weinhandlung Suff (ja wirklich!) zusammengestellten Solidaritätspakets zugunsten des legendären Clubs SO36 in Kreuzberg. Da ich ja recht oft in Berlin bin und dort sehr gerne Konzerte besuche, liegt es mir natürlich am Herzen, die unabhängige Musikszene in schwierigen Zeiten zu unterstützen. Und wenn man dafür nichts machen muss außer zu trinken, kann ja sogar ich meinen Teil beitragen! Das Paket enthält neben drei Flaschen “Weißes Rauschen” übrigens noch den roten und weißen Hauswein sowie ein großartiger Soli-Obstler vom Weingut Borell-Diehl aus der Pfalz.

Zurück zum Wein. “Weißes Rauschen” ist ein trockener Riesling vom Weingut Tesch aus Langenlonsheim an der Nahe (ja, ausnahmsweise nicht von der Mosel). Es ist der bandeigene Wein der Toten Hosen, deren Adler an der Kapsel prangt und der mit dem 2019er bereits in der zehnten Auflage von Dr. Martin Tesch hergestellt wird. Der Wein präsentiert sich so schnörkellos, wie die Hosen seit sehr vielen Jahren nicht mehr geklungen haben. Keine blumig-süßliche “Tage wie Diese”-Pampe, sondern eher im spritzig-frischen Stil der Anfangsjahre gehalten.

Suff Solipaket SO36

In der Nase entfalten sich sehr angenehme Fruchtnoten von hellen reifen Früchten. Diese werden am Gaumen ergänzt von einer sehr spritzigen Zitrusnote und deutlich prägnanter Säure. Ein kräftiges Traubenaroma gepaart mit sehr sauren grünen Äpfeln sorgt für einen enorm frischen Sommerwein, den ich zum Glück an einem schönen Frühsommerabend auf meinem Balkon genießen konnte. Er wirkt jung, ungestüm und wenig ehrfurchtgebietend, Punk im besten Sinne. Und er verströmt eine rohe Energie, die von den Hosen heute leider nur noch auf der Bühne ausgestrahlt wird, während die Platten zu sehr die Handschrift eines überambitionierten Kellermeisters tragen.

Ich freue mich sehr, dass ich vom 2019er “Weißes Rauschen” vom Weingut Tesch noch zwei weitere Flaschen im Keller habe. Und viel besseres kann man ja eigentlich nicht sagen, oder? Wenn man Nachschub braucht, kann man (noch) Solipakete von den Suffköppen aus Kreuzberg ordern (und zwar hier), oder direkt beim Weingut bestellen (das geht hier).

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