Luxemburg: Kirchbéier – Das entspannteste Bierfestival der Region

Weit ist es nicht von Trier auf den Kirchberg in Luxemburg, doch mit öffentlichen Verkehrsmitteln war das Kirchbéier-Festivalgelände am vergangenen Wochenende nicht ganz so einfach zu erreichen. Aber die Mühen mit Schienenersatzverkehr und mehrfachem Umsteigen haben sich absolut gelohnt, das Festival überzeugte mit einem ganz eigenen Charme.

Kirchbéier 2019

Insgesamt 16 Brauereien und Händler präsentierten sich im direkt hinter der Coque gelegenen Park, neben Vertretern aus Luxemburg waren auch Brauereien aus Dänemark, Schottland, Estland, Frankreich und Belgien vor Ort. Dazu boten Händler wie der Craftbier-Vorreiter Humulus & Fermentum oder Hoppylicious weitere Hochkaräter an, ich hatte nach zwei Tagen längst nicht alle spannenden Biere probieren können.

Kirchbéier 2019

Am Stand von Totenhopfen begrüßten mich Patricia und Sergio herzlich, die Gipsy-Brewer aus Luxemburg, die ihre hochgelobten Biere in ganz Europa brauen, sind auch in Trier gut vernetzt und bekannt. Neben ihren eigenen Bieren schenkten sie gemeinsam mit der Initiative Schmaacht et? einige echte Hochkaräter aus. Den Ausstellern standen zwei Zelte zur Verfügung, wobei gerade am Samstag Hitze und gleißende Sonne dem Gerstensaft durchaus zu schaffen machte und auch das Zapfen deutlich erschwert wurde. Im Park selbst sind die Bäume noch in der Wachstumsphase, in einigen Jahren dürfte hier aber eine echte Oase im ansonsten so hektischen Kirchberg entstehen.

Kirchbéier 2019Doch schon jetzt war die Stimmung am Kyosk entspannt und fröhlich. Auf antiken Sesseln und Sofas konnte man die Biere genießen und den Petanque-Spielern bei ihrem Sport zusehen; ein DJ sorgte für gechillte Musik. Wo manch großes Bierfestival für den Besucher schon einmal stressig werden kann, wurde hier auf Entschleunigung gesetzt. Einziger Wermutstropfen war das nicht so recht überzeugende und gnadenlos überteuerte Essensangebot, hier gibt es definitiv noch Verbesserungspotenzial.

Aber wir waren ja wegen des Biers da, und hier blieben kaum Wünsche offen. Auch wenn am Samstag witterungsbedingt vornehmlich leichtere und hopfige Biere an den Hähnen waren, so war es dennoch ein brachiales Imperial Stout, das für mich den Vogel abgeschossen hatte. Das Trinity in Black, das die Pühaste Brewery aus Estland zusammen mit den russischen Kollegen von Zagovor und AF Brew gebraut haben, lieferte ein Feuerwerk an Röstaromen, Tonkabohne, Zimt, Schokolade und Kaffee, und das bei 12,5 % Alkohol mit einer gefährlichen Süffigkeit. Wahnsinnsbier. Dass sie auch anders können, bewiesen sie mit dem der leichten Beetbox Gose, dank der Zugabe von reichlich Roter Bete das optische Highlight des Festivals.

Kirchbéier 2019

Den Sonntag eröffnete ich mit einem Klassiker, der Gueze von Tilquin am Stand von Humulus & Fermentum. Als Schmankerl hatte Sebastian noch eine besondere fassgereifte Version des Solo Protagonist von Solo aus Kreta dabei, wahrlich ein sehr spezielles Bier. Seine Kollegen von Hoppylicious machten ihrem Namen alle Ehre und überzeugten vor allem mit internationalen Hopfenbomben. Ansonsten hat sich aber mal wieder bei vielen Bieren gezeigt, dass zwar häufig New England draufsteht, aber nur in den seltensten Fällen auch ein stilechtes Bier drin ist. Ein trübes IPA macht nun einmal noch längst kein NEIPA aus.Kirchbéier 2019

Das von der Stuff Brauerei organisierte Kirchbéier Craft Beer Festival fand nun bereits zum dritten Mal statt und ist auf dem Weg sich zu etablieren. Man macht bereits sehr viel richtig und Veranstaltungen wie diese haben das Potenzial, auch in Luxemburg eine echte Craft Beer Community entstehen zu lassen. Mit der Luxembourg Craft Beer Celebration, die erstmals (und leider ohne mich) am 21. und 22. September in der Abtei Neumünster im Grund stattfinden wird, hat man nun gleich eine zweite Gelegenheit, die geknüpften Kontakte weiter zu vertiefen. Das Kirchbéier Festival hat die Messlatte auf jeden Fall schon einmal hochgelegt.

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