Hobbybrauer: Mit “Mighty Verve” bei leckerem Bier Gutes tun!

Wenn man sich nur ein paar Minuten mit Sandra Krämer unterhält, merkt man schnell, dass die energiegeladene Frau keine halben Sachen macht. Erst einmal auf den Biergeschmack gekommen, eignete sie sich so viel Wissen wie möglich an, und das Gelernte wurde umgehend in die Praxis umgesetzt. Unter dem Namen “Mighty Verve Brewing” werden nun in den eigenen vier Wänden und darüber hinaus spannende Biere kreiert, mit denen man auch noch soziale Projekte unterstützen kann. Es gab also mehr als genug Gesprächsstoff, um meine kleine Serie über die Hobbybrauer der Region zu starten.

Mighty Verve Brewing

Sandra, wir kennen uns ja schon eine kleine Weile, und ich kenne deine Vorliebe für Hopfenbomben. Wie ist dein Interesse an modernen Bierstilen geweckt worden?

Hmm, also geweckt wurde meine Neugier, als ich 2012/13 in Cornwall gewohnt habe, wo mir die Pubkultur einfach sehr gut gefallen hat. Die ist so ganz anders als bei uns, viel mehr was für nette Nachmittage und auch familientauglich. In den meisten Pubs gab es ganz verschiedene regionale Biere, insbesondere ganz tolle Ales. Da wurde ich neugierig und habe immer mal wieder verschiedene Biersorten probiert und schnell gemerkt, dass ich es da mit etwas ganz anderem zu tun hatte, als mit dem Bier, was man hier in unseren Bars bekommt. Gerade in Cornwall waren sehr viele kleine Brauereien aus der Region vertreten. Dort habe ich dann sozusagen Blut geleckt und als ich zurückkam, habe ich direkt nach etwas Vergleichbarem gesucht. Aber abgesehen von einigen leckeren Bieren von Kraftbräu und Zils habe ich in der Nähe nichts an Craft Beer und schon gar keine Craft Beer Bars gefunden. So habe ich mich jedes Jahr in England und Schottland immer weiter durchprobiert und wurde immer mehr beeindruckt von der großen Vielfalt an aufregenden und kreativen Bieren. Und nun ist dieser Enthusiasmus für moderne Bierstile ja in den letzten Jahren endlich zu uns herübergeschwappt und hier hat sich geschmacklich sehr viel getan.

Und was war der Auslöser dich selbst an den Braukessel zu stellen?

sandra_mighty_verveIch war sehr neugierig, was diese neuen Bierstile von den anderen unterscheidet und wie diese Vielfalt zustande kommt, welche Faktoren da alle mitspielen. Das war so viel komplexer und faszinierender, als ich es mir vorgestellt hatte. Ein guter Freund von mir hatte schon einiges gebraut, also habe ich mich an ihn gewandt und ihm bestimmt zehntausend Fragen gestellt und zugleich versucht, selbst alles über Braustile, über Hopfenarten und generell über das Brauen und meine Lieblingsbiere herauszufinden. So wusste ich schnell, dass ich unbedingt etwas mit El Dorado Hopfen machen möchte, weil er so toll grasige und fruchtige Noten zugleich hervorbringt. Es ging also erst mal nur darum, das irgendwie nachzuempfinden, was mir so gut geschmeckt hatte, es zu verstehen und selbst auszuprobieren, wie so eine geschmackliche Komposition zustande kommt.

Als erstes Bier gleich mit einem DDH (Double Dry-Hopped) IPA zu starten ist mutig, aber ich war von dem Ergebnis sehr angetan. Wie kam es dazu?

Ich hatte so einige Wahnsinnsbiere probiert. Ich erinnere mich im Besonderen an eines von Mikkeller San Diego: Two Headed Uklar, ein New England IPA (NEIPA). Es war so eine tolle Kombination aus fruchtig und grasig, ich fand es perfekt. Leider war es aber eine limitierte Edition, sodass ich an mein Lieblingsbier nicht wieder herankommen konnte. Und dann kam mir der Gedanke, selbst ein Bier zu brauen, das dem so nah wie möglich kommt. Ich habe dann mithilfe meines guten Freundes Robert, der schon brauerfahren war, ein Rezept zusammengestellt, das Ergebnis hast du vor einiger Zeit verkosten können. Als ich es selbst zum ersten Mal probiert habe, war das für mich ein unfassbar begeisternder Moment. Und es wurde tatsächlich zu einem meiner Lieblingsbiere. Um es dann aber in etwas größerem Rahmen zu brauen, habe ich mich mit Alex Baltes zusammengetan und das Bier noch einmal auf der Anlage vom Temmelser Braukeller gebraut.

Deine Brauerei hast du “Mighty Verve Brewing” genannt, das Premierenbier “Bittersweet Alchemy”. Gibt es ein Konzept für die Namensgebung?

Haha, ja, das gibt es. In der Zeit der Namensfindung für die Brauerei habe ich mit verschiedenen Ideen herumgespielt und hörte zufällig wieder mehr die Musik von The Verve, einer meiner früheren Lieblingsbands. Verve bedeutet Begeisterung, Enthusiasmus, Leidenschaft, Schwung, Vitalität, Mighty so viel wie groß, stark, kräftig oder auch außergewöhnlich, und ich fand das sehr passend für das belebende Gefühl der kreativen Energie, die beim Brauen und Genießen freigesetzt wird. Die Craft Beer Szene war dazu wie eine ungeahnt große, faszinierende neue Welt.

Da dieser Name also schon von einer Band inspiriert ist, und beim Homebrewing und Ausprobieren generell Musik läuft, ist mir aufgefallen, dass viele Songtitel tolle Namen für ein Bier sein könnten. So passt z.B. The Verve‘s “Bittersweet Symphony” gut zu einem IPA, da es ja im Idealfall eine Art Komposition aus bitteren und süßfruchtigen Noten bildet. Statt “Symphony” wählte ich dann aber “Alchemy”, die als Kombination aus Wissenschaft und Naturphilosophie die Umwandlung niederer Stoffe (oder Metalle) zum edelsten Stoff zum Ziel hat. Also von einzelnen Elementen zu etwas Höherem und Kostbaren, wie beim Bier eben. Für mein Session IPA “Lucy in the Galaxy” habe ich den direkten Bezug zu einer Zutat gewählt. Seitdem kommen mir ständig Liedertitel für passende Biere in den Kopf, die ich so schnell alle gar nicht brauen kann.

Wie sind die weiteren Planungen, und was für andere Brauprojekte sind am Start?

Also mein nächstes Bier ist gerade abgefüllt worden, ein India Pale Lager namens “Shiny Hoppy People”, also ein sehr hopfig frisches Lager, das ab Mitte April an die Hähne kommt. Es gab direkt schon einige Vorbestellungen, was mich sehr freut. Diesen Monat wird MVB‘s nächstes Bier, das bereits genannte “Lucy in the Galaxy” gebraut, das dann Ende April/Anfang Mai in den Bars der Region zu finden sein wird. In Luxemburg war “Bittersweet Alchemy” bereits in der Craft Corner in Bonneweg sowie im Millebières in Bourglinster zu finden.

Craftprotz Trier Social Tap

Du hast deine Brauerei ganz bewusst als Non-Profit Idee konzipiert und willst mögliche Einnahmen wohltätigen Zwecken zugutekommen lassen. Kannst du dazu schon mehr sagen?

Ja, also es ist so gedacht, dass der gesamte Profit eines jeden Biers einem bestimmten Zweck zu Gute kommt, und zwar einem, der mir zur Zeit der Produktion des Biers gerade als besonders akut und bedürftig erscheint. So war es bei “Bittersweet Alchemy” z.B. die Hilfe für die Opfer der Brände in Australien. Der Profit wird auf das Australian Red Cross, den NSW Rural Fire Service und das World Wildlife Fund Australia aufgeteilt, Organisationen, die unmittelbar betroffenen Menschen, Tieren und unserer Natur helfen, sich von diesem unglaublichen Unglück zu erholen.

Für “Shiny Hoppy People” recherchiere ich gerade verschiedene Organisationen, die Flüchtlingen und betroffenen Familien helfen sollen, die im Mittelmeer Angehörige verloren haben und die sich in akuter Not und ohne Zuhause befinden. Ich bin auch sehr offen für Vorschläge für weitere wohltätige Zwecke, denen ich den Profit eines der zukünftigen Biere widmen könnte. Schickt sie einfach an “contact@mightyvervebrewing.com“. Auf InstagramFacebook und natürlich auf Untappd findet ihr MVB auch. Ich freue mich aber besonders darauf, viele gleichgesinnte Bierliebhaber persönlich zu treffen.

Und dazu wird es schon am kommenden Samstag (14. März) ausführlich Gelegenheit geben, denn gemeinsam mit Nikola Weiler vom Craftprotz in Trier wurde die Idee, mit dem Bier etwas Gutes zu tun, logisch weitergedacht. Von Samstag an wird es einen Social Tap geben, zur Premiere kommt “Bittersweet Alchemy” an den Hahn. Von jedem verkauften Bier werden dann 50 Cent an Organisationen fließen, die den Opfern der Brände in Australien helfen. Sandra wird natürlich vor Ort sein!

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