Biertest: Verkostungsabend im Hopfenjüngerbau

Bierblogger müssen zusammenhalten, vor allem in einer an Bierspots nicht besonders gesegneten Stadt wie Trier. So freute ich mich sehr, als mich die Einladung von Hopfenjünger Johannes zu einem kleinen Verkostungsabend erreichte. Angelockt wurde ich mit zwei Kanonenkugeln von Magic Rock sowie Hausgebrautem aus der Hans van Hop Schmiede, da konnte ich natürlich nicht nein sagen!

 

Und eins vorweg, es wurde ein prima Abend mit hochklassigen Bieren. Ganz unvorbereitet erschien ich natürlich auch nicht, und so hatte ich ein Fantôme Saison, drei nicht-belgische Trappisten und das Ten FIDY von Oskar Blues im Gepäck.

Nach einem hauseigenen Bier im Kölsch-Style starteten wir mit dem Fantôme Saison. Die Belgier machen abgefahrene Biere, die ungemein schwer einzuordnen sind. Hier haben wir ein fruchtiges, elegantes Saison im Glas, dem man die 8 % Alkohol überhaupt nicht anmerkt. Leicht, frisch, irgendwie auch würzig, auf einem satten Hefebett. Spannendes Bier!

Unsere kleine Trappistenweltreise begann in den Vereinigten Staaten. Denkt man an die traditionellen Trappistenbiere, steht naturgemäß Belgien im Vordergrund. Oftmals unbekannt ist, dass unter den aktuell elf Trappistenbrauereien vier außerhalb Belgiens liegen, drei davon hatten wir nun im Glas. Das Spencer Trappist Ale wird in der St. Joseph’s Abbey in Spencer, Massachusetts gebraut. Neben prägnanten Getreidenoten finden sich Süße, eine prickelnde Textur und leicht fruchtige Noten. Ein sehr harmonisches, ausbalanciertes Bier mit hoher Trinkbarkeit.

Naturgemäß deutlich kräftiger ist das Zundert Tripel aus der Trappistenbrouwerij De Kievit in den Niederlanden. Die 8 % Alkohol sind hier kein bisschen versteckt, kräftige Malzsüße und eine hohe Karbo zeichnen das Bier aus. Noch eine Schippe drauf legten wir mit dem Gregorius, einem Quad aus dem Stift Engelszell in Österreich. Der zugesetzte Honig sorgt für eine dominante Süße, mit über 10 % Alkohol erinnern die fruchtigen Noten an in Schnaps eingelegte Trockenfrüchte. So richtig harmonierte das in meinen Augen nicht, ein überaus forderndes Bier. Nun fehlen mir von den Trappistenbieren nur noch das Achel aus Belgien sowie das Tripel aus der Abtei Tre Fontane in Rom.

Auf zwei Schätze im üppig gefüllten Hopfenjünger Kühlschrank hatte ich mich besonders gefreut. Das Human Cannonball und sein gemeiner Bruder Un-Human Cannonball von Magic Rock Brewing aus England genießen unter IPA-Freunden einen Ruf wie Donnerhall. Wie bei allen hopfenbetonten Bieren ist Frische das A und O, dass die Biere nun doch schon ein paar Wochen im Kühlschrank standen, merkte man vor allem dem Human Cannonball an. In meiner Bewertung fällt mehrfach der bierologische Fachterminus “krass”, und nichts anderes ist dieses Imperial IPA. Der Hopfen spendiert noch ein paar kleine Fruchtspuren, dann schlägt eine harzige Bitterkeit gnadenlos zu. Ein extremes Bier, das gar nicht ausgewogen sein will.

Nach dem Double-IPA-Kanonenschlag hatte ich fast schon etwas Angst vor dem Triple-IPA. Doch siehe da, der Un-Human Cannonball wirkte insgesamt bei aller immer noch vorhandenen Grundaggressivität besser ausbalanciert. Es gibt einiges zu entdecken, natürlich wurde noch einmal eine Schippe Hopfen draufgelegt, und die Fruchtaromen kommen etwas besser durch als beim kleinen Bruder. Aprikose, überreife Steinfrucht, aber auch richtig bitter und mit 11 % Alkohol alles andere als ein Leichtgewicht.

Je später der Abend, desto dunkler die Biere. Natürlich musste ich auch den zweiten Sud des Porter Nigra aus der Hausbraustube probieren, und war wieder sehr beeindruckt. Richtig begeistert war ich wieder einmal vom Ten FIDY Imperial Stout der Oskar Blues Brewery aus Colorado. Volles Röstmalz, Kaffee- und Schokoaroma bis zum Abwinken, bitter, kraftvoll, sanfte Textur, ein großes Bier in kleiner Dose.

Dass man auch in Deutschland kraftvolle Stouts brauen kann, beweist die zurecht hochgelobte Gänstaller Brauerei. Die Schwarze 90 irritiert erst einmal, denn es gibt keinen Schaum. Doch dann entfalten die Röstmalze eine intensive Schokoladigkeit, mir ist es fast einen Tick zu süß. Aber dennoch ein ausgezeichnetes Bier.

Die Brasserie Dieu du Ciel! aus Quebec hat mich mit ihrem Péché Véniel schon im Moeder Lambic in Brüssel überzeugt (zum Artikel). Das Péché Mortel ist ein Imperial Stout, das mit Kaffee gebraut wurde, was sich im Geschmacksbild auch dominant wiederfindet. Die Textur ist angenehm cremig, die Bitterkeit durchaus fordernd. Ein super Bier!

Põhjala aus Estland hat mich bislang eigentlich noch nie enttäuscht, entsprechend hoch waren die Erwartungen an das in Cognacfässern gereifte Öö XO. Mit 11,5% war es durchaus ein Schwergewicht zum Abschluss eines abwechslungsreichen Tastingabends. Süße Schokolade harmoniert gut mit sprittiger Trockenfrucht, insgesamt ein gut ausbalanciertes, harmonisches Bier und ein würdiges Ende. Vielen Dank für die Einladung!

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