Biertest: Die Pfungstädter Brauerei am Scheideweg

Ich hoffe sehr, dass es kein schlechtes Karma ist, aber nur Stunden nachdem ich ein Bierpaket der hessischen Pfungstädter Brauerei verkostet und mit den Recherchen begonnen hatte, flatterte die Meldung auf den Tisch, dass die wirtschaftlich in Schieflage geratene Brauerei verkauft werden soll. Aus dem Brauereigelände sollen zu großen Teilen Wohnquartiere entstehen, und es wird wohl nur noch in deutlich kleinerem Rahmen weiter gebraut. Anfang August soll sich das weitere Schicksal der Traditionsbrauerei entscheiden. Grund genug, einmal einen Blick auf ein paar der Biere zu werfen.

Pfungstädter Brauerei

Bei der Pfungstädter Brauerei aus Pfungstadt in der Nähe von Darmstadt handelt es sich um die größte Privatbrauerei Hessens, die sich seit 1831 in Familienbesitz befindet. Auf dem Spiel stehen die Jobs von über 100 Mitarbeitern, der Ausstoß betrug zuletzt mehr als 250.000 Hektoliter. Man setzt auf Tradition, was sich auch im Bier-Portfolio widerspiegelt. Gebraut werden klassische Biere, die von Zeit zu Zeit durch Varianten mit einem modernen Twist ergänzt werden.

Zwei unterschiedliche Pilsvarianten waren im Paket, wobei das Pfungstätter Edelpils das selbsternannte Herzstück der Brauerei darstellt. Es präsentiert sich für ein Pils mit wenigen Ecken und Kanten. Der weiche Malzkörper sorgt für einen sehr hohen Trinkfluss, die leicht herbe Bitterkeit spielt hier nur eine Nebenrolle. Dadurch ergibt sich ein sehr rundes Bier, das im Sommer gut gekühlt für die nötige Erfrischung sorgen wird. Und dass es wirklich kalt genug ist, zeigt ein temperaturempfindlicher Stern auf dem Rückenetikett der Flasche, der erst auf grün schalten muss, um den vollen Trinkgenuss erleben zu können. Nette Idee!

Das zweite Pils gehört zu den sogenannten Brauspezialitäten. Das Braumeister Pils verspricht “des Hopfens milde Seele”, kam mir aber sogar einen Tick kräftiger vor als das Edelpils. Gearbeitet wurde mit fünf nicht näher genannten Hopfensorten und das Bier erhält so eine fruchtige Frische in einem ansonsten typischen Pilskörper. Das federt die Bitterkeit hinten etwas ab und erneut haben wir ein sehr harmonisches Bier im Glas, das mir wirklich sehr gut gefallen hat.

Pfungstädter BrauereiDas dritte Bier der Selektion ist das Pfungstätter Helles, auch “Helles Glück” genannt. Hier wird in Sachen Drinkability noch einmal eine Schippe draufgelegt. Das Bier präsentiert sich leicht, hat eine milde Süße vorne und wirkt insgesamt sehr ausgewogen und frisch. Bitterkeit ist hier quasi gar nicht mehr zu spüren. Das wird im Sommer auf jeden Fall sehr gut funktionieren.

Die Zukunft der Brauerei ist derzeit noch völlig offen. Zwar hat Investor Daniel Hopp, Sohn eines bekannten und umstrittenen Vaters, einen Brauereineubau im Rahmen des geplanten Wohnprojekts angekündigt, wie der aber genau aussehen wird, scheint noch unklar zu sein. Übernommen werden soll die Brauerei vom Pforzheimer Großinvestor Wolfgang Scheidtweiler, der schon vielen taumelnden Brauereien wieder auf die Füße geholfen hat. Die negativen Auswirkungen auf die Biervielfalt in der Region und im Land sind aber schon jetzt spürbar. Denn nach 22 Jahren wird es ab sofort kein Pfungstädter Bier mehr bei den Spielen der Darmstädter Lilien geben. Hier muss man sich nun mit Krombacher zufriedengeben.

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