Biertest: Die ersten Sude des “neuen” Orca Brau

Felix vom Endt ist in Trier beileibe kein Unbekannter. Spätestens seit seinem spektakulären Tap-Takeover im Craftprotz hat ihn die Trierer Biercommunity fest ins Herz geschlossen und seine neuen Kreationen finden eigentlich immer rasch den Weg an die Mosel. In den vergangenen Monaten hat sich bei Felix einiges getan, was ausnahmsweise nichts mit der aktuellen Krisensituation zu tun hat. Dank eines Investors konnte man die alte noch aus seiner Heidenpeters-Zeit stammende Anlage in die Ecke schieben und eine hochmoderne neue Anlage installieren. Darauf gebraut wurden nun die ersten drei exklusiven Testsude, die ich mir wie viele andere in Trier im Rahmen einer Vorbestelleraktion sichern konnte. Die darin enthaltenen “save orcas, drink beer” T-Shirts könnten zum Herbsttrend in der Moselmetropole avancieren.

Bei der Auswahl der Brauereitechnik entschied man sich für Qualität “Made in Germany” und blieb der Region verbunden. Die in Nürnberg ansässige Brauerei arbeitet mit dem Bamberger Traditionsunternehmen Kaspar Schulz zusammen, das im Juli gemeinsam mit Felix das Feintuning der Anlage vornahm. Das Ergebnis dieser Tests habe ich nun im Glas, drei Biere, die eher dem klassischen Repertoire zuzuordnen sind. Richtig schön finde ich die Gestaltung der Labels, die zusammengesetzt einen technischen Grundriss der Brauerei zeigen.

Der historische Sud 1 ist das Easy Pale Ale. “Einfach, leicht und locker” sollte es sein, so ganz ist das meines Erachtens nicht gelungen. Klassisch gehopft mit Citra und Mosaic mit für ein Pale Ale tatsächlich leichten 4,5% Alkohol. Mit kräftiger Kräuternase und einer überraschend kantigen Bitterkeit passt das kräftige Profil nicht so richtig zum sehr leichten Körper, das fängt auch die mitspielende Orange  nicht auf. Trotzdem sicher ein schönes Sommerbier.

Sud 2 ist ein Kellerpils, gebraut mit historischer fränkischer Landgerste und als Hopfen Perle und Saphir. Auch hier sticht wieder eine kräftige Bitterkeit heraus, die aber wesentlich besser von einem satten Malzbett aufgefangen wird. Nicht wirklich schlank, aber der Pils-Charakter ist durchaus erkennbar.

 

Mein Favorit ist auf jeden Fall Sud 3, ein Local IPA. Nicht nur bei der Brauerei hat Felix auf regionale Zulieferer zurückgegriffen, auch bei den Brauzutaten wird, wo möglich, regional gedacht. Mit Hopfen vom Biohof Friedrich aus Gräfenberg, gelegen nordöstlich von Nürnberg, wird klar, dass man für kräftige Hopfenbitterkeit nicht nach Übersee schauen muss. Cascade und Huell Melon haben zu Beginn in Sachen Fruchtaroma einen schweren Stand gegen eine erneut sehr präsente, grasige Bitterkeit, die sich durch alle drei Sude zieht. Mal sehen, ob hier noch mal an der ein oder anderen Schraube gedreht oder am Knopf gedrückt wird.

Während der Umbauphase war es bei  Orca aber alles andere als ruhig und es wurden einige Collabs umgesetzt. Hier dann tatsächlich mit Corona-Beeinträchtigungen, Zoom-Collabs sind wohl in diesem Jahr ein heißes Ding. So arbeitete Felix unter anderem mit Sebastian Sauer von der Freigeist Bierkultur zusammen, was allein schon spannende Kreationen verspricht. Als alter Rhabarberfan habe ich mich natürlich gleich mit mehreren Flaschen Got To Love – A Rhubarb Sour eingedeckt. Im Glas hatte ich ein schön frisches Sommerbier mit angenehm spritziger Säure vorne, dann kommt der Rhabarber richtig gut durch. Mir hätte es sogar noch etwas mehr Frucht sein können, aber ich stehe auch auf das Zeug…

Ein zweites Bier aus dieser Zusammenarbeit ist das gerade erschienene Quit The Shit Quince IPA, bei dem noch die Brauerei Demory Paris ins Boot genommen wurde. Im Gegensatz zu Rhabarber gehört Quitte ganz sicher nicht zu meinen Lieblingszutaten in Bieren, hier passt das aber richtig gut. Der erdige Geschmack der Quitte ergänzt den kräftigen Körper des IPAs gut, das sich ansonsten mit moderater Bitterkeit recht trocken, aber insgesamt sehr rund und harmonisch präsentiert.

Felix vom Endt

Felix hier im Dienst mit “Craftprotz” Nikola Weiler

Von den Bieren, die Felix bei und mit seinem alten Weggefährten Johannes Heidenpeter in der Markthalle 9 in Berlin gebraut hat, habe ich nur noch eins ergattern können. Das Zitrone Vanille ist wieder ein schönes Sommerbier mit viel Frische, einer an ein Pils erinnernden Bitterkeit und einem durch die Vanille angenehm runden Mundgefühl. Die Zitrone spritzt das ganze ordentlich auf, das Bier läuft ohne große Hindernisse sehr leicht und locker rein.

FAZIT: Die ersten drei Sude auf der neuen Anlage reizten weder die Technik noch die Kreativität des Brauers voll aus, aber dafür sind Testsude ja auch nicht gemacht. Für Orca Brau eröffnen sich so spannende neue Möglichkeiten und ich bin mir sehr sicher, dass Felix vom Endt uns damit noch viele spannende Kreationen präsentieren wird!

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