Biertest: Kona Brewing Company – Surferbrause aus Hawaii

Ich habe kurz gezuckt, aber nein. Nachdem so ziemlich jeder deutsche Bierblogger und Kritiker die “Es gibt doch Bier auf Hawaii” Karte gespielt hat, verkneife ich es mir zumindest halbwegs. Die Biere der Kona Brewing Company aus Hawaii sind seit einiger Zeit in Deutschland über verschiedene Vertriebswege recht gut verfügbar, und mittlerweile haben es einige sogar nach Trier geschafft. Grund genug, einmal drei davon zu verkosten.

 

Das Marketing bedient alle Klischees, die einem bei Bieren aus Hawaii in den Sinn kommen: Liquid Aloha, Sand zwischen den Zehen, Surfer mit ihrem entspannt-coolen Spirit. Zum Glück gab es in den letzten Tagen auch in Trier so etwas wie einen verfrühten Frühling, da passten die Biere aus dem fernen Sonnenstaat der USA hervorragend zur Balkoneröffnung. Doch wie hatten sie die Reise aus Übersee überstanden? Und wo werden die Biere überhaupt gebraut?

Letzteres ist eine Frage, die sich nur schwer beantworten lässt. Die Flasche selbst gibt erste Hinweise, die eben nicht nach Hawaii weisen. Oregon,Washington State, New Hampshire, Tennessee steht dort zu lesen, erst Anfang März musste sich Kona in den USA vor Gericht verantworten¹, weil das Bier aus Hawaii offenbar gar nicht aus Hawaii kommt, sondern eben in verschiedenen Brauereien in den Vereinigten Staaten gebraut, und der Kunde dadurch getäuscht wird. Kona verteidigt sich mit dem Argument, dass die Zutaten tatsächlich von der sonnigen Insel stammen, man höchstmögliche Frische garantieren wolle und alle Biere einer strengen Qualitätskontrolle unterliegen.

Kona Brewing CompanyHat man die romantische Vorstellung, es mit einer kleinen, entspannt-kreativen Braustelle in Strandnähe zu tun zu haben, täuscht man sich gewaltig. Die 1994 als Familienbetrieb gegründete Kona Brewing Company ist ein Big-Player und gehört seit 2010 zur Craft Brew Alliance, einem Zusammenschluss verschiedener Brauereien, die Ressourcen und Distributionswege teilen. Wo Craft im Namen steht, ist spätestens seit 2013 kein Craft mehr drin, denn der Gigant InBev hält seitdem etwa ein Drittel der Anteile.

Mit einer geschätzten Jahresproduktion von 1,7 Millionen Hektolitern² würde die Craft Brew Alliance auch in Deutschland zu den Top 20 der Großbrauereien gehören (zum Vergleich: Die gesamte Bitburger Braugruppe mit vielen angeschlossenen Bieren und Brauereien kam 2016 auf insgesamt 7 Millionen Hektoliter³).

Aber Zahlen hin oder her, wie schmeckt denn das Bier? Ich bin bei Importbieren aus den Vereinigten Staaten angesichts der langen Transportwege und Lagerung immer etwas skeptisch. Gerade hopfenbetonte Biere wie Pale Ales oder IPAs sollten meist so frisch wie möglich getrunken, um das fruchtige Hopfenspiel zur Entfaltung kommen zu lassen, diesbezüglich sind Enttäuschungen quasi vorprogrammiert.

Diese Gefahr bestand durchaus auch bei den von mir getesteten Bieren:

  • Big Wave Golden Ale

Das Golden Ale transportiert das angestrebte Image voll und ganz. Es ist wirklich gut, für das, was es sein soll. Easy drinking, schöne Frische, etwas Frucht, ein wirklich ideales Bier für einen warmen Tag zum kalt genießen und erfrischen. Aber es ist schon leicht wässrig, wenn man auf Fülle und Komplexität steht.

Nach dem fruchtigen Golden Ale dominiert beim Fire Rock Pale Ale vor allem vorne eine malzige Note. Später wird es dann leicht bitter, wirkt insgesamt aber eher etwas flach. Für mich das schwächste der drei probierten Biere.

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Vorne bietet das India Pale Ale geballte tropische Frucht, dann kommen Gräser und sogar etwas Schärfe. Hinten raus wird es richtig bitter, was auch lange nachhallt. Schon gut und es machte auch noch einen absolut frischen Eindruck.

Wer auf handwerkliche Braukunst aus kleinen kreativen Brauschmieden steht, ist hier sicherlich falsch, auch wenn die Biere aus Hawaii sicherlich noch einen kleinen Exotenbonus haben. Insgesamt gut trinkbar und alles andere als schlecht, bieten sie einen leichten Einstieg in die globale Biervielfalt. Ich persönlich greife allerdings lieber zu Bieren mit etwas mehr Seele, Persönlichkeit und in diesem Fall auch mehr Geschmack. 

Quellennachweise:

¹ www.foxnews.com/food-drink/2017/03/03/makers-kona-beer-sued-because-its-not-brewed-in-hawaii.html
² en.wikipedia.org/wiki/Craft_Brew_Alliance
³ www.ahgz.de/news/geschaeftszahlen-bitburger-meldet-stabiles-ergebnis,200012237849.html

Kona Brewing Company im Internet: konabrewingco.com

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