Biertest: Ein neuer Schwung Bier bei Wolter in Wasserbillig

Unter den Bierhändlern der Region nimmt die Tankstelle Ewald Wolter in Wasserbillig sicher eine besondere Stellung ein. Wo sonst kann man sich neben Benzin und den in Luxemburg typischen Tankstellenwaren Kaffee und Tabak auch mit einer erlesenen Auswahl an Spirituosen und eben auch Craft Bier eindecken?

Praktischerweise fahre ich dort jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit vorbei und versorge mich am Morgen mit Brötchen, daher habe ich die Bestände immer gut im Blick. Letzte Woche habe ich einige spannende Neuheiten entdeckt, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Das im vergangenen Jahr neu gestaltete Regal mit den Craftbieren springt einem gleich ins Auge, wenn man die von außen unauffällige Tankstelle betritt, die sich von Trier kommend auf der rechten Seite zwischen Wasserbillig und Mertert befindet. Ein paar der relativ frisch hinzugekommenen Biere will ich kurz vorstellen.

Brouwerij De Molen (NED) – Amarillo (Imperial IPA-ish)

Die Niederländer gehören zu den besten Brauereien Europas, und auch ich bin immer wieder begeistert, allerdings vor allem wegen der grandiosen Imperial Stouts. Hier haben wir allerdings ein Imperial IPA im Angebot, das mit 9,3 vol. % Alkohol ordentlich etwas zu bieten hat. Kaltgehopft mit, wer hätte es geahnt, amerikanischem Amarillo Hopfen (dazu noch Sladek und Saaz), entfalten sich fruchtige und blumige Aromen. Eingebettet sind diese in einen kräftigen Malzkörper, der eine weiche Textur und eine leichte Süße mitbringt. Doch der Hopfen dominiert deutlich, und am Ende schlägt auch eine kräftige Bitterkeit durch. Ein absolut harmonisches Bier, das trotz des hohen Alkoholgehalts nicht sperrig und sehr gut trinkbar ist. Also ist Vorsicht angebracht!

Bierfreunden empfehlen kann ich außerdem das Bierfestival bei De Molen, das jedes Jahr Ende September stattfindet. Ein paar Eindrücke aus dem Jahr 2017 habe ich hier zusammengestellt.

Brouwerij De Molen (NED) – Amarillo (Imperial IPA-ish)

Brouwerij De Molen (NED) – Amarillo (Imperial IPA-ish)

Brouwerij De Halve Maan (BEL) – Straffe Hendrik

In der Bierstadt Brügge sind die Biere der Brouwerij De Halve Maan allgegenwärtig, immerhin ist es eine der beiden überlebenden Brauereien, die heute noch (oder wieder) innerhalb von Brügge brauen (zur Brauerei habe ich im Reisebericht “Brügge für Bierliebhaber” auf treverer.com etwas geschrieben). Neben dem Brugse Zot werden dort die Biere der Straffe Hendrik Serie gebraut, die es (fast) vollständig nun auch bei Wolter zu erwerben gibt.

Alte Abfüllanlage in der Brouwerij De Halve Maan in Brügge

Tripel-Biere gehören zu den Klassikern der belgischen Bierkultur, auch wenn dieser Stil erst vor weniger als einhundert Jahren “erfunden” wurde. Die Biere zeichnen sich durch eine kräftige Stammwürze und entsprechend hohem Alkoholgehalt aus. Der hohe Malzanteil sorgt für einen dichten Körper und eine prägnante Süße, die den Alkohol aufzufangen vermag. Das Straffe Hendrik Tripel ist ein sehr typischer Vertreter dieses Typs mit 9 vol. % Alkohol. Auffällig ist die starke Kohlensäure, was vielleicht einen Tick zuviel ist.

Eine Stufe höher auf der Stärkeskala liegt das Quadrupel mit satten 11% Alkohol. Dabei wirkt es viel sanfter, weniger aufgeregt und harmonischer als das Tripel. Hier wirkt das Malzbett beruhigend, ein Bier wie ein sanfter Rotwein, komplex, aber entspannt.

Das Wild ist eine Variante des Tripel, das allerdings mit wilden Brettanomyces Hefen gebraut wurde. Diese verleihen dem Bier etwas mehr Ecken und Kanten und eine gewisse Kratzigkeit, die mir aber gut gefällt. Schon in der Nase fühlt man sich eher an ein Lambic erinnert, was sich aber dann wunderbar in den reifen Körper eines Tripel einfügt. Spannendes Bier!

Jopen (NED) – Meesterstuk 2018 (Oatmeal Quad)

Jopen - Meesterstuk

Das Meisterstück 2018 der Jopenbrauerei aus Haarlem ist ein echtes Schwergewicht. Ein mit Haferflocken und Koriander eingebrautes Quadrupel mit 11,11 %, da ist ordentlich Kraft im Glas. Jedes Jahr braut die in einer ehemaligen Kirche residierende Brauerei ein einzigartiges Meisterstück zu Ehren von St. Maarten, dem Schutzheiligen der Brauer von Haarlem. Der diesjährige Trunk schmeckt intensiv nach Karamell und getrockneten Früchten, der Alkohol ist spürbar, aber exzellent eingebunden. Koriander hätte ich nicht herausgeschmeckt, wenn ich es nicht zuvor gelesen hätte.

Nomada Brewing (ESP) – Petricor (IPA)

Nomada Brewing (ESP) – Petricor (IPA)

Nomada Brewing (ESP) – Petricor (IPA)

Völlig unbekannt war mir bisher die Nomada Brauerei aus Barcelona. Beim Petricor handelt es sich um ein glutenfreies, recht leichtes IPA mit 6 vol % Alkohol. Geschmackliche Abstriche muss man nicht machen, vorne ist das Bier ziemlich bitter und sehr hopfig, mit eher grasigen Noten und ziemlich hervorstechendem Grapefruitaroma. Hat man sich daran gewöhnt, entdeckt man vielfältige Früchte wie Mango und Orangen. Ein interessantes und keinesfalls eindimensionales Bier.

Põhjala (EST) – Öö (Imperial Baltic Porter)

“Ein Bier dunkel wie Winternächte in Estland” steht auf der angenehm schlichten Flasche, und farblich macht das Bier diesem Anspruch alle Ehre. Beim Öö der estonischen Meiserbrauer von Põhjala handelt es sich um einen modernen Klassiker, den die Brauer mittlerweile in vielen spannenden Variationen auf den Markt gebracht haben, darunter exzellente fassgereifte Biere. Doch das Original braucht sich hinter den verspielten Versionen nicht zu verstecken, ganz im Gegenteil. Schon in der Nase hat man leicht rauchige Röstaromen, die auch den ersten Eindruck am Gaumen bestimmen. Dann kommen die Früchte ins Spiel. Auf der einen Seite winterliche Aromen von Dörrobst und Rosinen, aber irgendwie auch ein Spritzer Frische. Dazu eine leichte Süße zwischen den Bitteraromen und ein Hauch von verbranntem Zucker. Ein komplexes Bier, ideal für eine bierige Entdeckungsreise im warmen Wohnzimmer bei Schmuddelwetter.

Põhjala @ Borefts 2017

Põhjala @ Borefts 2017

Der Blick auf das Sortiment lohnt sich bei Wolter eigentlich immer, und auch diesmal waren bei den neuen Bieren wieder ein paar echte Hochkaräter dabei. Etwas aufpassen und sich informieren sollte man sich aber, denn mit dem Mahou Negra findet sich bei den Neuzugängen auch ein ziemlich schreckliches und banales Industriebier aus Spanien im Regal, das ich hier bei der Besprechung besser ausgelassen habe. Aber für Infos habt ihr ja mich und in der Breite ist das Sortiment wahrlich über jeden Zweifel erhaben.

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