Biertest: “All Together” heißt es nun auch bei Totenhopfen

Patricia und Sergio von Totenhopfen aus Luxemburg sind aus der Trierer Bierszene gar nicht mehr wegzudenken. Immer wieder schaffen es ihre Biere in die Kühlschränke vom Craftprotz und vom Daddy und sie sind gern gesehene Gäste vor Ort, sei es zu einem Tap-Takeover, oder zum gemütlichen Plausch unter Gleichgesinnten. Nun haben sich Totenhopfen auch der von Other Half Brewing aus New York initiierten Charity-Aktion “All Together” angeschlossen, kürzlich habe ich bereits über die Zusammenarbeit von Sudden Death, Frau Gruber und Brew Heart berichtet (zum Artikel). Doch Totenhopfen setzten noch einen drauf.

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Basis der Idee sind zwei von Other Half bereitgestellte Rezepte, eins für ein West Coast IPA und eins für ein New England IPA. Wert legte man darauf, keine allzu exotischen Inhaltsstoffe zu verwenden, das Bier sollte ja von so vielen Brauereien wie möglich auf der ganzen Welt gebraut werden. Bei Totenhopfen wollte man sich nicht so recht für ein Rezept entscheiden, also braute man gleich beide Varianten, die sich optisch sowohl an der Farbe des Bieres, zuvor aber schon an der Dosenfarbe unterscheiden lassen. Das West Coast ist in den dunkleren Farben gehalten, während das NEIPA schon optisch die tropische Sonne in den Kühlschrank bringt. Im Glas gibt es nicht nur farblich aber einige Überraschungen.

Totenhopfen Budapest

Patricia und Sergio auf der Beer Week in Budapest 2019

Zum Austausch habe ich mich mit Patricia und Sergio im Artisan’Ale in Luxemburg-Clausen getroffen, einer herrlichen Bierbar mit einem anspruchsvoll gefüllten Kühlschrank und einigen Bieren am Hahn. Darunter auch der jüngste Spross der Totenhopfen Familie: ein kräftig scharfes IPA namens Sweet Hell, der Name ist Programm. Super Bier, aber darum soll es heute nicht gehen.

Das West Coast IPA kommt in einem recht dunklen Orange ins Glas und präsentiert sich mit einem sehr ausgewogenen Malz-Hopfen Spiel. Nichts zu spüren von knarzigen Harzbomben, der durchaus präsente Hopfen ist in einen kräftigen Körper eingebunden und es entwickeln sich intensive Noten von Orange, überreifen gelben Früchten und leicht grasiger Bitterkeit hinten. Aber alles absolut im Rahmen, das Ergebnis überzeugt durch einen sehr runden Gesamteindruck. “Wir hatten noch kein West-Coast IPA in unserer Core-Range”, erklärt Patricia. “Wir haben uns hier recht streng an das Rezept gehalten und viel Wert auf Balance gelegt. Für mich ist es auch viel mehr ein gut ausgewogenes IPA als ein klassisches West-Coast IPA”.

Gebraut wurden beide Biere wieder bei Reketye in Budapest, an der Donau wurden dort oder bei Horizont bereits einige Totenhopfen-Kreationen gebraut. Aus guten Gründen, wie Patricia ausführt. “Gerade in diesen Zeiten, in denen Reisen schwierig ist, war es uns wichtig dort zu brauen, wo wir volles Vertrauen in Brauer und die vorhandene Technik haben. Reketye wollte sich auch am All Together Projekt beteiligen, da waren sie sofort unsere erste Wahl.”

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Erwartungsgemäß optisch ganz anders präsentiert sich das New England IPA, von Patricia liebevoll “Hop Bomb Juice” genannt (und auch bei Untappd wird es “Hop Juice” genannt). Nun ja, es ist definitiv trüb, sehr trüb sogar, dabei aber auch recht dunkel, was optisch jetzt nicht direkt etwas für Bierästheten ist. Die Harmonie des West Coast IPAs geht dem Vertreter des Ostens ab. Die Bitterkeit ist überpräsent und geht schon leicht in den Bereich “Hopburn”, also eine nicht als angenehm empfundene Bitternote, die lange präsent bleibt. Es dauert ein wenig, bis man sich hier weiter vorschmecken kann und auch die Früchte den ihnen gegebenen Raum einnehmen können. Von “Juice” bin ich noch etwas entfernt, trotz einer sehr dichten Textur ist die Bitterkeit immer noch zu präsent, um das ganze sanft die Kehle herunter rinnen zu lassen. Es wird auch nicht so richtig tropisch, es gibt viel mehr noch nicht ganz reifen Pfirsich oder den etwas trockenen Teil des Pfirsichs rund um den Kern mit eher trockenen Tanninen. Erst ganz hinten kommt etwas frische Zitrus dazu. ”

“Mit dem New England IPA wollten wir ganz bewusst einmal total übertreiben, sowohl stilistisch, als auch bei den Zutaten” gibt Patricia zu. Ich selbst finde es angesichts einer zunehmenden Geschmacksuniformität beim aktuellen Hype-Stil mutig, aber auch erfrischend, hier einmal ins Extreme zu gehen, wo heute sonst die Bitterkeit fast vollständig in der Frucht versteckt wird. Das Totenhopfen All Together West Coast IPA gibt es derzeit auch beim Craftprotz in Trier, für das New England IPA braucht man etwas Glück, ein paar Dosen könnte es noch bei Artisan’Ale geben.

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