Biertasting: “Belgische Verführung” im Trierer Blesius Garten

Die Begeisterung, mit der Kraft Bräu Braumeister und Biersommelier Sebastian Nguyen die Trierer versucht von der Vielfalt der Bierkultur zu überzeugen, ist bewundernswert. Er selbst braut mit seinem Team hervorragende und eigentlich immer streng nach dem Reinheitsgebot hergestellte Bierspezialitäten, richtet einmal im Jahr das Trierer Bierfestival aus und veranstaltet in regelmäßigen Abständen thematisch unterschiedliche Biertastings. Dieses Wochenende standen die belgischen Biere im Mittelpunkt, und da ich nach meinem Besuch in Brügge diesbezüglich voll im Thema steckte, war ich gespannt, wie Sebastian die enorm vielfältige Bierlandschaft unseres Nachbarn angehen würde.

 

Ich schätze an dem sympathischen Bierspezialisten besonders, dass er ohne Berührungsängste und Konkurrenzdenken an die Materie herangeht, und somit stand nur ein eigenes Bier auf der Liste der “Belgischen Verführung”. Der Status als Hausbrauerei des Hotels und Restaurants Blesius Garten hat den Vorteil, dass es bei den Verkostungen immer auch passende kulinarische Kreationen aus der hervorragenden Küche gibt, und ich war gespannt, was man sich beim Thema “Belgien” ausgedacht hatte.

Das Interesse an anderen Bierstilen und kreativer Braukunst ist in Trier vorhanden. Das zeigt nicht nur das sehr gut besuchte Bierfestival, auch zum Tasting kamen mehr als zwanzig Gäste. Eröffnet wurde der Abend mit einem frischen und fruchtigen Aperitif, der zwar nicht zum garstigen Winterwetter passte, aber schon einmal einen Vorgeschmack auf warme Tage auf der Terrasse machte. Das Liefmans Fruitesse wurde auf Eis serviert, eine Variante, die Frau Treverer kürzlich erst bei einem Besuch in einem Strandpavillon im schönen Zeeland probierte. Nicht zu süß, sehr erfrischend, ich könnte mir sogar noch gut ein Blatt Minze dazu vorstellen.

Ein erster Eindruck der faszinierenden Welt der belgischen Sauerbiere wurde durch das Liefmans Kriek Brut und den Kriek von Boon vermittelt. Kriek verweist auf die verwendeten Kirschen, ansonsten sind beide Biere sehr unterschiedlich. Das Liefmans ergänzt die Kirschen zu einem Oud Bruin, was zu einer eher bräunlichen Farbe, höherem Alkoholgehalt und einem kräftigen Geschmack führt, der sehr gut mit den sauren Fruchtnoten harmoniert. Boon geht den klassischen Weg, in dem im Eichenfass gereifte Lambic Biere verschiedener Jahrgänge gemischt und nach einigen Monaten Kirschen beigefügt werden. Ein sehr schöner, recht süßer Anfängerkriek einer absoluten Topbrauerei.

Weiter ging es mit typischen Vertretern der belgischen Starkbiere. Leffe gehört zu den größten Brauereien des Landes, die Biere sind in belgischen Kneipen allgegenwärtig. Seit einiger Zeit gibt es eine Serie von Bieren, die mit jeweils einer bestimmten Hopfensorte eingebraut wurden. Das Leffe Royale Mapuche hat mich von diesen noch am ehesten überzeugt, der südamerikanische Hopfen sorgt für eine prägnante Fruchtnote, das Bier wirkt fisch und dicht. Im Vergleich mit dem folgenden Klassiker sah es dann aber doch eher schlecht aus, denn das dunkle Westmalle Dubbel ist eins meiner Lieblingsbiere. Es gehört zu den am besten verfügbaren Trappistenbieren, die einer besonderen Klosterkultur entspringen. Es ist dunkel, kraftvoll, komplex und mit einer durch Zuckerbeigabe erreichten deutlichen Süße. Ein tolles Bier!

Kulinarisch ergänzt wurde dies zunächst durch eine belgisch angehauchte Tapasvariation, die mich sehr begeisterte. Es gab Kartoffeln, Bitterballen, Geflügelkroketten und Sprotten mit Aioli. Foodpairing gehört zu den Steckenpferden des Gespanns Kraft Bräu – Blesius Garten, und auch hier hatte man sich wieder einige Gedanken gemacht. Später gab es noch ein typisch belgisches Biergulasch mit einer Soße auf Basis eines Riegele Ator, die später mit Kriek verfeinert wurde und so noch eine leicht fruchtige Note bekam. Als Dessert gab es am Ende eine echte Schokobombe in Form eines Mousse und einer Schokopraline im Cornflakesmantel. Dazu wurde mit dem New Belgium ein kräftiges, malzig-süßes hauseigenes Bier gereicht, das in Kürze auch den Weg an den Hahn im Blesius Garten finden wird.

Davor gab es aber noch ein paar belgische Biere zu verkosten, darunter auch eine kleine Kostbarkeit. Das Rodenbach Vintage 2012 reift nun schon seit vier Jahren im Kraft Bräu Keller, und wird bei Liebhabern schon zu Mondpreisen gehandelt. Hochwertige Sauerbiere eignen sich bestens zur Reifung, und was wir da im Glas hatten, schmeckte sicher nicht allen Teilnehmern, war für mich aber das absolute Highlight der Verkostung. Rodenbach macht sowieso grandiose Biere, das hier war aber etwas Besonderes.

Mit dem Duvel folgte ein weiteres klassisches Bier der belgischen Bierkultur. Hier wurden erneut die Vorteile eines professionell geführten Tastings deutlich, als Sebastian demonstrierte, wie unterschiedlich sich das Bier darstellte, wenn es ohne und danach mit dem am Boden befindlichen Hefesatz genossen wird.

Das La Chouffe der Brasserie d’Achouffe ist ein weiteres Starkbier, das ich im Urlaub sowohl in Belgien wie auch in den Niederlanden mehrfach probieren konnte. Schon gut und trotz des hohen Alkoholgehalts frisch und angenehm trinkbar.

Fazit

Meine Erwartungen an das Tasting wurden voll und ganz erfüllt. Die Bierauswahl war stimmig und sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene interessant. Hier ist die Gratwanderung ja immer besonders schwierig, da gerade die belgische Bierlandschaft durchaus herausfordernd ist und Neulinge schnell überfordert. Das Menü passte ausgezeichnet zu den Bieren, war geschmacklich toll und das Preis-Leistungs-Verhältnis war absolut angemessen. Man kann nur hoffen, dass die Mission des jungen Brauers in Trier weiter Früchte trägt, der eingeschlagene Weg scheint mir auf jeden Fall der richtige zu sein.

Die nächsten Biertastings mit Sebastian Nguyen im Blesius Garten Trier:

10. & 11. Februar: Britische Inseln 3.0
17. & 18. März: Craft Beer vs. Einheitsbrei
25.–27. Mai: Bier & Steaktasting 2.0

Weitere Events finden sich auf Facebook!

Kommentar hinterlassen zu "Biertasting: “Belgische Verführung” im Trierer Blesius Garten"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*