Viel zu schnell vorbei: Das 6. Trierer Bierfestival begeistert Bierfreunde von nah und fern

Zwei Tage volles Haus und viele glückliche Besucher, Brauer und Veranstalter; das zum sechsten Mal ausgerichtete Bierfestival bei Kraft Bräu in Olewig war vielleicht das bislang beste. An einigen Stellschrauben wurde gedreht, der Geist des familiären Festivals blieb aber bestehen.

Schon im Vorfeld hatte Gastgeber Klaus Tonkaboni vom Blesius Garten betont, wie zentral es für das Festival ist, in vergleichsweise kleinem, aber gemütlichen Rahmen vor Ort an der Brauerei zu sein. Die damit verbundenen räumlichen Einschränkungen sorgen stets für schmerzhafte Entscheidungen im Vorfeld, denn wie in jedem Jahr gab es weit mehr Bewerbungen um einen Stand als Plätze. Einigen alten Weggefährten musste so abgesagt werden, die Mischung aus bekannten Brauereien und Neuzugängen ist aber in diesem Jahr wieder bestens gelungen. Wenn nach dem Ende des Veranstaltungstages die Brauer beim gemeinsamen Essen zusammensitzen spürt man, warum sich das Trierer Bierfestival nicht nur bei den Besuchern, sondern auch bei den Hauptdarstellern größter Beliebtheit erfreut.

Kleine Änderungen, großer Effekt

Die sichtbarste Veränderung auf dem Gelände war der ausgegliederte Essensbereich, was den Besuchern deutlich mehr Raum gab und es bei gleichem Ticketverkauf und ausverkauftem Haus selbst in den Stoßzeiten nicht zu eng wurde. Auch für die Temperatur und Luft im überdachten Verkostungsbereich war dies eine richtig gute Idee.

Zu den engsten Freunden und Partnern von Kraft Bräu gehört das Brauhaus Riegele aus Augsburg. In diesem Jahr bekamen diese gleich den ersten Stand am Eingang zugewiesen und man spendierte ihnen außerdem noch eine gemütliche Lounge, die rege genutzt wurde. Direkt daneben stand mit Matthias Gruber von Frau Gruber eine ebenfalls eng mit Kraft Bräu und Riegele verbundene Brauerei, die außerdem eine gehörige Portion Weltklasse im Bereich üppig gehopfter IPAs mitgebracht hatte.

Mit Steffen Broy vom Brauhaus Riegele

Ganz aus den Augen lassen wollte man die gut gelaunte Chaostruppe aus dem Süden wohl nicht, daher lag der Stand von Kraft Bräu direkt gegenüber. Hier kam es an beiden Tagen um 19 Uhr zum größten Auflauf, als wie in jedem Jahr der streng limitierte Eisbock an den Hahn genommen wurde. Auf Basis des Indian Summer IPA wird durch die Extraktion von Wasser eine hochprozentige Spezialität hergestellt, die an beiden Tagen nach einer halben Stunde schon wieder ausgetrunken war.

Die größte Überraschung

Das Makadamia Porter vom Atelier der Braukünste

Unter den Neuzugängen stach eine Brauerei deutlich hervor, nämlich das Atelier der Braukünste aus Romrod im mittelhessischen Vogelsbergkreis. Alle Biere am Hahn waren von ausgezeichneter Qualität und deckten ein eindrucksvolles Portfolio ab. Vom Kellerbier über verschiedene IPA Spielarten bis hin zu einem Porter, das Niveau war absolut beeindruckend. Das Porter wurde außerdem mit einem Twist serviert, indem ein süßer Schaum auf Basis des Porters mit einer nussigen Makadamia-Essenz auf das Bier gesetzt wurde.

Die geballte Bierkraft der Region

Das Trierer Bierfestival ist eine gute Gelegenheit, die Stärken der regionalen Bierszene hervorzuheben, entsprechend stark waren die Brauereien aus der erweiterten Region vertreten. Mit dem Craftwerk aus Bitburg, Zils aus Naurath und der Vulkan Brauerei aus Mendig gab es ein Wiedersehen mit alten Bekannten, die schon in den letzten Jahren präsent waren. Am Stand von Zils kam auch eine der Stärken des familiären und kommunikativen Umfelds zum Tragen, denn zum frisch gezapften Grünhopfen Pils gab es von Braumeister Henrik Stöppler gleich eine Lektion in Gläserkunde. Aus dem Teku-Glas schmeckt gerade dieses Bier nämlich völlig anders als aus dem Becherglas.

Auch der Craftprotz war schon zum dritten Mal am Start und hatte aus seiner Bar in der Trierer Altstadt einige spannende Biere mitgebracht. Am Samstag bot er außerdem ein Bier und Käse Foodpairing an, was wie schon im Vorjahr bei Schneider Weisse sehr gut ankam. Bier und Käse passen einfach hervorragend zusammen. Am kommenden Freitag (18. Oktober) ist übrigens das Atelier der Braukünste zu einem Tap Takeover vor Ort!

Jan Niewodniczanski von der Bitburger Braugruppe zapft wie jedes Jahr selbst am Craftwerk Stand

Ein Wiedersehen mit einem ehemaligen Kraft Bräu Mitarbeiter gab es beim Temmelser Braukeller, denn Brauer Alex Baltes hat einige Zeit in Olewig verbracht. Nun arbeitet er Vollzeit als Brauer in Luxemburg und widmet seine Freizeit seiner eigenen kleinen Brauerei in Temmels. Nach Hobby sieht das alles aber nicht aus, die Qualität ist durch die Bank hoch und der Fokus auf modern interpretierte, klassische Bierstile ist absolut gelungen.

Das spannendste Bier

Ebenfalls mit Kraft Bräu Vergangenheit hat es Julian Baum mittlerweile in die kleinste Brauerei Kölns verschlagen. Die Braustelle in Köln-Ehrenfeld hat in der Vergangenheit das leider eingestellte Festival der Bierkulturen ausgerichtet, diesmal hatten sie das für mich spannendste Bier des Festivals im Gepäck. Die Fahrt ins Grüne ist ein Ale im Lambic-Stil, vergoren mit wilden Hefen aus der Heimat und aus Belgien. Blind wäre ich mir hundertprozentig sicher gewesen, einen Belgier aus der ersten Liga im Glas zu haben.

Urgesteine und Newcomer

Auch zwei absolute Schwergewichte der deutschen Craftbeer Szene hatten den Weg nach Olewig gefunden. Die Kehrwieder Kreativbrauerei aus Hamburg marschiert seit vielen Jahren an der Spitze der Bewegung, am besten geschmeckt hat mir diesmal das Seehafen IV, ein Hamburg Style Red Ale, ausgebaut in Weinfässern. Ein weiteres Urgestein und in Trier wahrlich kein Unbekannter ist die Camba Bavaria aus dem Chiemgau. Die habe ich in den vergangenen Jahren etwas aus den Augen verloren, aber der Besuch in Trier hat noch einmal gezeigt, auf welch hohem Niveau dort gebraut wird. Das Pale Ale räumte gerade bei den World Beer Awards den Preis für das “World’s Best American-Style Pale Ale” ab, mir haben die Biere der Barrel Aged Serie sehr gut gefallen. Und das Team aus Bayern war definitiv eine echte Bereicherung für das Festival!

Paul von D’n Draok – Bossche Brouwerij

Zu den Wiederholungstätern gehören auch Paul und Uwe, die ihre beiden Brauereien in den Niederlanden zum Brouwstudio zusammengeführt haben. Ich startete gleich mit einem kräftigen Rauchbock, aber auch das Kellerbier wusste zu überzeugen. Die Braumanufaktur Bach aus dem Saarland hatte nach einem Froot Loops IPA im Vorjahr diesmal ein mit Skittles gestopftes IPA mitgebracht. Man darf schon aufs nächste Jahr gespannt sein. Chris Sullivan vom Smash Brewing Project bringt jedes Jahr ein neues Bier seiner Single Malt and Single Hop Serie mit, im dritten Jahr sind wir mit einem Dampfbier somit schon beim dritten Bier angekommen. InAle hat es auch zum zweiten Mal aufs Festival geschafft und hat immer noch den schicksten Markenauftritt. Die Hamburger Fraktion verstärkte Überquell aus Sankt Pauli, leider hatten sie ihre hochgelobten Pizzen nicht mitgebracht. Da muss ich wohl doch noch mal in den Norden. Bald bin ich auf jeden Fall wieder in Berlin, als einziger Vertreter der Hauptstadt hielt Bräugier die Fahne mit dem Bären noch. Und aus meiner alten Heimat kam zum zweiten Mal die Lahnsteiner Brauerei an die Mosel.

Und auf der Aftershow-Party gab es noch eine gute Nachricht von Kraft Bräu Chefbrauer Sebastian Nguyen, denn der Termin für das Festival 2020 steht. Wir sehen uns in Trier am 9. und 10. Oktober 2020!

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