Viele Jubiläen beim 5. Trierer Bierfestival in Olewig

Ich kann mich im Prinzip nur wiederholen, denn das von Kraft Bräu im Blesius Garten ausgerichtete Bierfestival, das sich in den Vorjahren zu einer festen Institution im Trierer Feierkalender entwickelt hatte, erlebte mit seiner fünften Auflage einen neuen Höhepunkt. Von vielen der teilnehmenden Brauer unisono als eines der schönsten Festivals dieser Art im Lande bezeichnet, lebt die Veranstaltung von einer einzigartig gemütlichen Atmosphäre und handverlesenen Brauereien und Händlern, mit denen Kraft Bräu in vielen Fällen seit langer Zeit freundschaftlich verbunden ist.

5. Trierer Bierfestival 2018, Trier, Blesius Garten

Und mit der Auswahl der Teilnehmer tut man sich in Olewig nicht leicht. Auf der einen Seite will man viele einfach immer wieder sehen, auf der anderen Seite lechzt das über die Jahre immer anspruchsvoller gewordene Trierer Publikum auch nach etwas Abwechslung. Insgesamt 17 Brauereien wurden es am Ende, darunter neben den Gastgebern und elf Veteranen immerhin fünf Newcomer.

Schneider Weisse, 5. Trierer Bierfestival 2018, Trier, Blesius Garten

Schneider Weisse

Und einer von den Neuzugängen hat unser Herz gewissermaßen im Sturm erobert. Schneider Weisse aus München gehört mit einer Tradition seit 1872 zur absoluten Spitze der deutschen Bierkultur, und dieser Status wurde in Trier eindrucksvoll untermauert. Spannende Foodpairing-Variationen mit Käse und Schokolade, der gestachelte Aventinus Weizendoppelbock oder der gleichnamige Eisbock, hier war Weltklasse im Glas.

Doch auch die anderen Festivalnovizen hinterließen ihre Spuren. CraftBee aus Kassel hatten spannende Honigbiere am Stand, auch wenn das sicherlich nicht mehr mein Lieblingsbierstil werden wird. InAle aus Bayern überzeugten mit einem sehr professionellen Stand und Markenauftritt, womit die Biere (noch) nicht so ganz mithalten konnten. Das Cream Ale hat mir allerdings sehr gut gefallen. Leider etwas vernachlässigt habe ich den Stand von Bräugier, obwohl die sogar ein Gastbier aus England am Hahn hatten. Internationales Flair brachte das Brouwstudio aus den Niederlanden nach Olewig, die ein extrem vielseitiges Sortiment am Start hatten.

InAle, 5. Trierer Bierfestival 2018, Trier, Blesius Garten

InAle

“Wir wollen das Festival weiter hier vor Ort stattfinden lassen und zeigen, wo in Trier das Herz für Bier schlägt”, hatte Blesius-Garten-Chef Klaus Tonkaboni noch im Vorfeld angekündigt und diesen Worten wieder einmal Taten folgen lassen. Trotz der vergleichsweise beengten Verhältnisse vor Ort und zwei ausverkauften Tagen fühlte ich mich von Beginn an wieder pudelwohl, auch wenn die frühen Nachmittage natürlich besser geeignet sind, mit den Brauern ins Gespräch zu kommen und die Biere in Ruhe zu probieren. Für mich ist das Festival ja so etwas wie ein Heimspiel mit vielen bekannten Gesichtern und Freunden vor und hinter den Zapfhähnen, wodurch die systematische Verkostung manchmal etwas in den Hintergrund gerät.

Brouwstudio, 5. Trierer Bierfestival 2018, Trier, Blesius Garten

Brouwstudio

Neben dem kleinen 5. Jubiläum des Festivals gibt es bei Kraft Bräu auch etwas Großes zu feiern, denn 2018 feiert man das immerhin 20-jährige Bestehen der ältesten Hausbrauerei Triers. Entsprechend wurde auch am Stand der Gastgeber ordentlich aufgetischt und ich tauchte da deutlich häufiger auf als in den Vorjahren. Gleich zu Beginn ergatterte ich eines der raren Gläser des Eisbocks, der schon traditionell nur beim Bierfestival ausgeschenkt wird und spannenderweise auf IPA-Basis beruht. Ein ganz besonderes Schmankerl bot Braumeister Sebastian Nguyen am Freitag, als er eine fassgereifte Berliner Weisse an den Hahn brachte. Ein Kraft Bräu Sauerbier, als Mythos waberte dieses Bier schon seit langem durch die Szene, jetzt war die Zeit reif für den Release. Ebenfalls neu für mich war das in der Trierer Partnerstadt Fort Worth zusammen mit Wild Acre Brewing gebraute Wild Acre Kraft Haus, ein hopfiges Märzen, das sehr süffig und frisch ins Glas kam.

5. Trierer Bierfestival 2018, Trier, Blesius Garten

Ruhe vor dem Sturm

Und wo wir schon bei Jubiläen sind, auch in Bitburg wurde gefeiert und ich konnte Craftwerk-Braumeister Stefan Hanke zum 5. Geburtstag gratulieren und mit dem Festbier anstoßen, über das ich schon an anderer Stelle berichtet habe (zum Artikel). Bleiben wir in der Region, so gab es auch ein Wiedersehen mit der Vulkanbrauerei aus Mendig, die ich diesmal aber ausließ, da sie vor allem das Standardsortiment dabei hatten. Alles kann man einfach nicht probieren. Etwas fleißiger war ich bei Zils aus Naurath in der Eifel, die seit Jahren zu meinen absoluten Favoriten gehören. Endlich schaffte ich es auch einmal das Charlie Marx Red Ale zu verkosten. Der rauchige Eisbock polarisierte etwas, ich war aber durchaus angetan. Aus dem Saarland angereist war zum zweiten Mal Bachs Braumanufaktur, die mit dem Fruit Loops IPA etwas ordentlich Verrücktes mitgebracht hatten.

Brauhaus Zils, 5. Trierer Bierfestival 2018, Trier, Blesius Garten

Brauhaus Zils

Viel Spaß hatte ich außerdem am Stand von Uli Sander aus Worms sowie den Mainzern von Kuehn Kunz Rosen. Letztere hatten mit einem Rotwein-Bier-Hybrid eines der spannendsten Biere des Festivals am Start. Chris vom Smash Brewing Project hatte mit dem Röntgen Rotbier die zweite Variante seines “Single Malt and Single Hop” Projekts dabei, von dem ich wirklich sehr angetan war. Am Stand von Riegele, die laut Sebastian auch die nächsten zehn Jahre beim Bierfestival gesetzt sein dürften, probierte ich noch einmal das von mir einst angesichts des absurd hohen Preises verdammte Michaeli Märzen, das ohne das ganze Brimborium vom Fass absolut in Ordnung war. Die bayerische Delegation komplettierte die Maxbrauerei, von der ich immerhin die Aprigose probieren konnte.

Hop Shop Trier, 5. Trierer Bierfestival 2018, Trier, Blesius Garten

Hop Shop Trier, Omnipollo Mango Lassi Gose

Das Bierfestival zeigte mal wieder deutlich, dass es auch in Trier ein Publikum für kreative Biere gibt, wobei sich die Besucher sehr gemischt aus interessierten Traditionalisten und Biernerds zusammensetzten. Für beide dürfte der Craftprotz demnächst eine neue Heimat bereitstellen, denn schon bald eröffnet Nikola Weiler in der Palaststraße seine von vielen heiß ersehnte Craftbierbar. An zwölf Hähnen wird es hauptsächlich Biere von nationalen Kreativbrauern geben, aber ich denke das ein oder andere internationale Schätzchen wird sich da auch gelegentlich einschmuggeln lassen. In welche Richtung es gehen wird, zeigte schon seine Auswahl beim Festival, mit Flügge, Mashsee und Sudden Death gab es Biere von gerade sehr heiß gehandelten deutschen Herstellern zu probieren.

Internationaler ging es beim Hop Shop zu, wo es durchaus Weltklasse am Hahn gab. Neben dem grandiosen Must Kuld von Põhjala aus Estland gab es auch zwei Kollaborationssude von Fuerst Wiacek, die man hier in der Gegend so gut wie nie antrifft. Und die mit Slush-Eishaube angebotene Mango Lassi Gose von Omnipollo dürfte auch den letzten Zweifler überzeugt haben, dass Bier mehr sein kann als Fernsehpils. Auf ein Neues im Jahr 2019!

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